D 2004. R: Mennan Yapo. B: Lars-Olav Beier. K: Torsten Lippstock. S: Dirk Vaihinger. M: Gary Marlowe. P: X-Filme. D: Joachim Król, Nadja Uhl, Christian Berkel, Rudolf Martin, Lisa Martinek, Peter Fitz, Mehmet Kurtulus, Wilhelm Manske, Jale Arikan u.a. 90 Min. X-Verleih ab 29.4.04
In Deutschland gebe es, so Produzent Stefan Arndt, mit seinen X-Filmen maßgeblich am heimischen Marktanteil der letzten Jahre beteiligt, im Grunde nur ein einziges Genre – den Deutschen Film. Was damit gemeint ist, wird regelmäßig nach dem Besuch von Filmen wie „Erbsen auf halb 6“ oder „Blueprint“ deutlich, die ebenso bemüht wie betulich daherkommen und allenfalls gut gemeint wirken. Oder aber durch Publikumserfolge wie „Good Bye, Lenin“ und „Das Wunder von Bern“ bestätigt, die ihr Deutschsein zum zentralen Thema erheben. Das Thriller-Genre insbesondere findet im deutschen Kino kaum mehr statt, mutmaßlich beiseite gedrängt durch die Omnipräsenz des „Tatort“ und anderen Krimireihen und Serien im Fernsehen. Selbst ein solch großer Entwurf wie Dominik Grafs „Die Sieger“ vor nunmehr neun Jahren wurde im Kino kaum beachtet.
Nicht nur diesem Umstand verdankt „Lautlos“ eine Sonderstellung im gegenwärtigen deutschen Film – hier ist ein zudem Regisseur am Werk, der die Stilisierung nicht scheut und die Traditionen des Genres in jedem Bild durchscheinen lässt. Natürlich ist alles längst gezeigt, jede Konstellation bereits mehrfach durchgespielt worden. „Lautlos“ versucht daher gar nicht erst, durch aufgesetzte Originalität zu beeindrucken, sondern spult seinen durchaus konventionellen Plot mit kalter Präzision ab. Eine Akribie, die auch seiner Hauptfigur innewohnt, dem Auftragskiller Viktor, der genregemäß einen letzten Auftrag zu erfüllen hat und sich – nicht minder ungeschriebenen Gesetzen folgend – in eine geheimnisvolle Frau, eine Blondine natürlich, verliebt. Sein gleichsam besessener Gegenspieler Lang, ein neudeutsch Profiler genannter Ermittler, rückt ihm kontinuierlich näher auf den Pelz, bis der unvermeidliche Showdown die verwandten Seelen wiederum auseinander sprengt.
Lars-Olav Beiers kluges Drehbuch verzichtet auf die mittlerweile zur Masche verkommenen Last-Minute-Clous und faulen Tricks, seine Stärke liegt in den feinen Details der ansonsten schnörkellosen Geschichte sowie seinen enigmatischen Hauptcharakteren. Der Regiedebütant Mennan Yapo findet in den ruhigen und kargen Scope-Bildern ein perfektes Abbild für die innere Leere der Figuren. Unterstützt durch eine hochkonzentrierte Besetzung, allen voran Joachim Król mit einem gekonnten Imagewechsel, eröffnet „Lautlos“ dem deutschen Genrefilm neue Perspektiven: weder in Anbiederung an amerikanische Manierismen noch durchtränkt von deutschem Biedersinn, sondern durch Kino in seiner reinsten Form – Bewegung und Emotion, notfalls bis zur Schmerzgrenze.



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