German Movies

Notizen zum Deutschen Film.

Archiv für Oktober 23, 2006

Bastie Griese – Produzent von „Besser als Schule“

Mit der Teeniekomödie „Besser als Schule“ wagen gleich vier Jungstars mit Soap-Background den großen Schritt auf die Leinwand. Melanie Wichterich, Eric Benz und Thorsten Feller, die alle im Ensemble von „Unter uns“ zu sehen waren, sowie Gabriel Andrade aus „Marienhof“ spielen die Hauptrollen in der turbulenten Lovestory, die – etwas spät vielleicht – ganz im Fahrwasser von „DSDS“ und „Popstars“ schwimmt.

Wenn Marc (Thorsten Feller) seinen aktuellen Schmusehit „Du bist besser als Liebe“ ins Mikro schmachtet, sind alle Mädchen hin und weg. Marc ist ein Teeniestar aus dem Bilderbuch. Und er ist zum Greifen nah: Um sein Abi nachzuholen, schickt ihn sein windiger Manager für einen PR-Gag zurück auf die Schulbank. Selbst die sonst so toughe Dana (Melanie Wichterich) verfällt seinem Charme, sehr zum Missfallen des trottelig-sympathischen Steven (Eric Benz), der schon lange ein Auge auf sie geworfen hat, sich aber einfach nicht so richtig traut. Jetzt scheint der Zug abgefahren. Wie sollte der unscheinbare Steven auch gegen den hippen Marc anstinken? Da kann nur noch sein abgefahrener Freund Gonzo (Gabriel Andrade), der selbsternannte Frauenheld, helfen…

Dass Daily Soaps und große Kinofilme nicht allzu viel gemeinsam haben, wird einem regelmäßig dann bewusst, wenn etwa „GZSZ“-Darsteller wutentbrannt die Tür hinter sich zuschlagen und man Angst haben muss, dass sie von den Pappkulissen erschlagen werden. Keine Frage, der Aufwand und die finanziellen Mittel für Soaps sind viel geringer, auch für ausgedehnte Proben bleibt kaum Zeit. Dennoch schaffen nicht wenige Soapstars irgendwann auch den Sprung ins Kino oder ins Popbusiness, fungieren doch die extremen Drehbedingungen nicht selten als Durchlauferhitzer für den ambitionierten Nachwuchs. Produzent Bastie Griese gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Eure Hauptdarsteller haben bisher vor allem in Soaps gespielt, die ja eine ganz andere Arbeitsweise erfordern. Warst du skeptisch, ob sie es packen?

Griese: Kino erfordert schon ein ganz anderes Bild als Fernsehen. Die Schauspieler bewegen sich anders darin, sind anders präsent. Für Schauspieler, die nur Fernseherfahrung haben, eine große Umstellung.

Wie schwierig war dieser Umstellungsprozess?

Griese: Eric Benz hat sich bei der Erfolgsserie „Nikola“, die ja auch auf Film gedreht wird, bereits bewiesen. Auch Thorsten Feller kannte die Arbeit beim Film (z.B. „Mädchen Mädchen“). Für die anderen war es schon eine Umstellung, jedoch hat man sofort ihr Potential gesehen und wir alle waren überwältigt, wie schnell sich alle an die Arbeit beim Kinofilm gewöhnt haben. Unsere vier Hauptdarsteller besitzen großes Kinopotential.

Die Teeniekomödie hat ja in den letzten Jahren wieder einen enormen Aufschwung bekommen, etwa durch „American Pie“ oder „Eine wie keine“, in Deutschland durch „Mädchen Mädchen“ oder „Harte Jungs“. Habt ihr euch bei „Besser als Schule“ an irgendwelchen Vorbildern orientiert?

Griese: Es ist schon so, dass wir natürlich diese Teeniekomödien kennen und sie auch für gut halten. In „Besser als Schule“ haben wir jedoch unseren eigenen Stil eingesetzt und, gerade für deutsche Teeniefilme bisher untypisch, viel Wert auf Gefühl und Romantik gelegt. Der Humor kommt natürlich nicht zu kurz und ähnlich wie bei „La Boum“ gibt es zu Herzen gehende Gefühle.

„Besser als Schule“ sollte ja schon vor einigen Monaten anlaufen. Inzwischen ist der „Popstars“/“DSDS“-Boom etwas abgeebbt. Könnte das ein Problem für den Film darstellen oder ist der Abstand eher hilfreich?

Griese: Die Idee zu „Besser als Schule“ wurde weit vor dem Aufkommen dieser Castingshows entwickelt und sollte sich nicht an diese anlehnen. Der Erfolg dieser Sendungen hat dann allerdings gezeigt, dass wir den Zahn der Zeit getroffen haben. „Besser als Schule“ greift zwar die Thematik Starrummel auf, hebt sich aber inhaltlich schon von den Castingshows ab.

Ihr habt große Teile des Films in einem kleinen Städtchen namens Zeitz in Sachsen-Anhalt gedreht. Wie seid ihr in der „Dreh-Provinz“ aufgenommen worden?

Griese: Sehr gut. Wir sind der Stadt Zeitz und ihren Bewohnern für die tolle Unterstützung sehr dankbar. Wir haben dort tolle Drehorte gefunden, die sich im Film ja auch erkennen lassen. Dass wir an unserem Standort in Köln, nicht zuletzt durch die großartige Hilfe der Filmstiftung NRW, ausgezeichnet produzieren können, war uns ja bewusst, aber bei „Besser als Schule“ haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich die verschiedenen Standorte in Deutschland gut verbinden lassen. Es war eine schöne und spannende Erfahrung.

Ein göttlicher Job

D 2001. R,B: Thorsten Wettcke. K: Martin Ruhe. S: Britta Paech, Camille Younan, Hansjörg Weißbrich. M: Jule Maas, Nikolaus Sieveking, Peter Hinderthür. P: Wüste. D: Oliver Korittke, Tamara Simunovic, Thierry van Werveke, Heike Makatsch, Andrea Sawatzki, Martin Semmelrogge u.a. 90 Min. Buena Vista ab 19.4.01

Ein mutiger Film. Einer, der aufrüttelt, Tabus auslotet und Grenzen aufzeigt. Ein Film, der Kirchenorganisationen und ähnlich veranlagte Fanatiker vor den Filmtheatern aufmarschieren läßt und „Blasphemie!“-Rufe provoziert. Ein Film, der unbeirrt seine Botschaft deklamiert und Leben verändert. All das ist „Ein göttlicher Job“ nicht. Dafür ist er durchgeknallt – und zwar komplett.

Die Story vom mißmutigen Erdengott Jonathan, der nach 1000 Jahren Amtszeit pünktlich zur Millenniumswende seinen Nachfolger im frisch verliebten Comiczeichner Niklas erkennt – Typ: sympathischer Loser – sieht auf der Leinwand noch weitaus bizarrer aus als es sich mit Worten wiedergeben läßt.

In unglaublich billigen Sets – „Raumpatrouille“ läßt grüßen – die so etwas wie die Kommandozentrale der Erdengötter darstellen sollen, hat Jonathan seine nicht ganz freiwillige Regentschaft in bester Couch Potato-Manier über die Runden gebracht, die nervende, dauerquasselnde Göttin an seiner Seite bereits (oder erst?) nach 200 Jahren eingefroren und den Dingen auf dem blauen Planeten ihren Lauf gelassen, bis nun die Göttin des Universums ihren Routinebesuch zum Machtwechsel abstattet und ihre Bestürzung ob der Entwicklung der Menschheit kaum zu zügeln weiß.

Jonathan wird in unnachahmlicher Weise von Thierry van Werveke gespielt, und wer seine Auftritte in „Knockin’ On Heaven’s Door“ noch im Gedächtnis hat, sollte sich nie wieder ein anderes Bild von Gott machen: lakonisch bis zum Abwinken, knochentrocken sein Humor, minimalistisch die Mimik. Das kosmische Chaos wird zudem von einem nicht minder absurden Krimiplot unterfüttert, in dem die übrigen Darsteller des illustren Ensembles vor keiner noch so absurden Pose zurückschrecken (Bela B. als Techno-DJ Ingo auf einer Theologenparty!) und dem Affen so richtig Zucker geben.

Der Reputation des deutschen Films, dessen Führungsköpfen die Forderung nach der internationalen Konkurrenzfähigkeit längst zum Mantra geronnen ist wie einst das DDR-Ideal vom „Weltniveau“, wird „Ein göttlicher Job“ kaum zur Ehre gereichen. Vielmehr ist er das filmische Äquivalent zu Guildo Horns Grand Prix-Auftritt: ein frischer Wind im erstarrten Umfeld und streckenweise einfach saukomisch.

Technische Unzulänglichkeiten und eine einfallslose Kamera werden durch das enorme Tempo locker wettgemacht, die abgefahrensten Ideen immer wieder getoppt. Die Verlautbarung des Verleihs, die erste deusche Trash-Komödie geschaffen zu haben, mag zwar ein wenig anmaßend sein; der Schneid und das Selbstbewußtsein, diesen köstlichen Schmarrn produziert zu haben, verdient nichtsdestotrotz Anerkennung. In diesem Sinne: ein mutiger Film, also doch.

Julietta

D 2001. R,B: Christoph Stark. B: Jochen Bitzer. K: Jochen Stäblein. S: Sandy Saffeels. M: Ballistic Affair. P: teamWorx, Central. D: Lavinia Wilson, Matthias Koeberlin, Barnaby Metschurat, Anne Ratte-Polle, Sibylle Canonica, Uwe Kokisch, Wotan Wilke Möhring u.a. 95 Min. teamWorx ab 6.9.01

Julietta trägt diesen Namen nicht von ungefähr, denn „Julietta“ ist in eine Dreiecksgeschichte verstrickt. Und wie alle Dreiecksgeschichten des Kinos muß sich „Julietta“ mit der Erinnerung an Truffauts „Jules & Jim“ messen – so ist der Titel zumindest eine kleine Hommage. „Julietta“ basiert zudem auf Motiven aus Heinrich von Kleists „Marquise von O“; diese Tatsache wird allerdings erst im Abspann kundgegeben, schließlich soll das Zielpublikum nicht vergrault werden.

Doch in Zeiten, da jede zweite High School-Komödie auf Shakespeare fußt, wieso nicht mal ein Raver-Kleist? Das Zielpublikum darf sich dann auch in den ersten zehn Minuten selbst betrachten, der Film beginnt auf der Love Parade und wartet mit den obligaten Bildern auf – zappelnde Kids, Ecstasy-Trips und Pinkeln in den Tiergarten. Und mittendrin Julietta, 18jähriges Girlie aus der ach so miefigen Provinz Stuttgart. Ein Pillchen zum Glücklichmachen, ein hektischer Quickie mit ihrem flippigen Freund im Fotofix – so sind sie, die jungen Dinger, würde Harald Schmidt entgegnen. Dumm nur, daß the drugs don’t work und Julietta vom schlechten Trip das Bewußtsein verliert. Doch ihr Retter naht, bringt sie in Sicherheit und – schläft mit der ohnmächtigen Julietta. So sind wiederum die jungen Kerle, sagt der Film – immer auf der Suche nach der unkomplizierten Nummer. Vertrackt wird’s erst, als Julietta merkt, daß sie schwanger ist.

Und spätestens ab hier will der Film zuviel. Das Lebensgefühl einer Generation im Partyrausch einfangen, den Konflikt der Generationen thematisieren – Julietta verläßt die ohnehin schon entzweite familiäre Einheit – die Emanzipation einer unverstandenen Jugendlichen ausbreiten – der Film übernimmt sich und strauchelt auf halbem Weg. Analog dazu die Bilder, immer ein bißchen zu chic, eine Spur zu glatt – ein Film in der Klemme zwischen Authentizität und Synthetik. Dabei zeigt Debütregisseur Christoph Stark doch mitunter, wie es gehen könnte: Eine eigentlich ziemlich abgenutzte Lichtmetapher bringt für wenige Minuten neuen Glanz in die Geschichte, wunderbar reduziert und doch so wirkungsvoll.

Das Casting schließlich komplettiert das Dilemma von „Julietta“: Der Film verfügt mit Lavinia Wilson über eine entwaffnend natürliche Hauptdarstellerin, ihre männlichen Gegenparts Matthias Koeberlin und Barnaby Metschurat sind dagegen zwei Totalausfälle. Somit ist zumindest Juliettas finale Entscheidung ein Schritt in die richtige Richtung, den deutschen Jugendfilm bringt dieses Werk indes keinen Deut weiter.

Grüne Wüste

D 1999. R: Anno Saul. B: Swenja Karsten. K: Gero Steffen. S: Ingrid Broszat. M: Marcel Barsotti . P: Trebitsch. D: Tatjana Trieb, Robert Gwisdek, Martina Gedeck, Ulrich Noethen u.a. 100 Min. Lichtmeer ab 25.1.01

 

„Life is what happens to you while you’re busy making other plans“, stellte John Lennon bereits vor mehr als 20 Jahren fest. Dieses Dilemmas ist sich auch „Grüne Wüste“ schmerzlich bewußt. Er kann zwar ebenso wenig verhindern, daß das kleine, dreckige, aufregende Leben und hochtrabende, hoffnungsvolle Pläne selten zusammenfinden – zumindest aber unternimmt er einen sehenswerten Versuch.

Die 14jährige Katja steht am Abgrund, auf den Mauern „ihrer“ Burgruine, inmitten „ihrer“ grünen Wüste. Herunterstürzen ist eine Option, die Herausforderung des Lebens anzunehmen die andere. Eines Lebens, daß bis vor kurzem noch so sorglos schien, zumindest auf dem Abenteuerspielplatz ihrer kindlichen, überschaubaren Welt, die jedoch sehr bald an allen Enden Risse zeigt: Ihr bester Freund Johann erkrankt plötzlich an Leukämie, das sensible Gleichgewicht ihrer Familie gerät aus dem Takt.

Katja steht vor einem Neuanfang. Diesen Spagat vollführt auch der Film selbst. Leicht hätte „Grüne Wüste“ auf dem Niveau durchschnittlicher TV-Romane landen können, mit Fokus auf dramatischen Szenen, pathetischer Leidensdarstellung. Ganz frei davon ist der Film beileibe nicht, nutzt er doch bisweilen schamlos das Auf und Ab von Johanns Krankheit zur Manipulation der Gefühle. Doch zumeist umschiffen die einfühlsame Regie und die ruhige Kameraführung diese Klippen der Trivialität.

In seinem ersten Kinofilm gelingt es Anno Saul, den abrupten Abschied von der Kindheit glaubhaft zu entwickeln und in sorgfältig komponierte Bilder zu kleiden. Auch die für einen deutschen Film erstaunlich stimmige Musik von Marcel Barsotti hält die Balance zwischen intimer Spannung und großen Emotionen. Den wesentlichen Anteil zum Gelingen des Films tragen jedoch die durchweg erstklassigen Leistungen der Schauspieler bei.

Tatjana Trieb und Robert Gwisdek sind Katja und Johann; voller Elan zu Beginn, trotzig und zornig im folgenden, doch stets beeindruckend natürlich und mitreißend. Martina Gedeck offenbart in ihrer pointierten Darstellung die ganze Unsicherheit und Selbstgefälligkeit von Katjas Mutter, schafft ein Wechselbad der Gefühle. Ulrich Noethen und Heino Ferch geben ihren konträren Rollen ein unverwechselbares Gesicht, frei von aufgesetzten Manierismen.

Ein authentischer Film über Jugendliche ist selten geworden in diesen Tagen, in denen das Revival des Teeniefilms ganze Flutwellen pubertärer Witzchen in die Kinos spült. Umso erfreulicher ist es daher, einen deutschen Film zu sehen, in dem der Horizont der Protagonisten nicht vom letzten Joint oder der Aussicht auf Entjungferung benebelt ist. Ein Sieg des Lebens, letztlich.

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