29. Februar 2008 um 0:10 · Gespeichert unter Blogroll
Nachdem nun die Hysterie um Österreichs ersten Oscargewinn langsam abebbt, und Stefan Ruzowitzkys peinlich anmaßende Dankesrede allmählich in Vergessenheit gerät, darf man wohl darauf hinweisen, dass die mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnete deutsch-österreichische Koproduktion DIE FÄLSCHER ein ziemlicher Langweiler und höchst mittelmäßiger Weltkriegsfilm ist - was im Vergleich zu Ruzowitzkys 2001er Rohrkrepierer DIE MÄNNER IHRER MAJESTÄT (mit Matt LeBlanc und Nicolette Krebitz) allerdings schon einen enormen Fortschritt darstellt. Österreichisch-deutsche Kollaborationen sind nunmal seit 75 Jahren eine ziemlich heikle Angelegenheit… aber wir geben die Hoffnung nicht auf, schließlich hat die Alpenrepublik mit Haneke, Seidl oder Albert Regisseure zu bieten, die sich thematisch wie formal weitaus innovativer um den österreichischen Film bemühen. Auch die Academy wird das irgendwann erkennen.
www.diefaelscher.at
17. Februar 2008 um 0:33 · Gespeichert unter Blogroll
Wieder einmal wurde ein Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, den kaum jemand auf der Liste hatte: der brasilianische Beitrag TROPA DE ELITE von José Padilha. Hoffentlich ist ihm ein glücklicherer Kinoeinsatz beschert als dem letztjährigen Gewinner TUYAS HOCHZEIT. Der lange Zeit als Favorit gehandelte THERE WILL BE BLOOD kann zumindest zwei Silberne Bären mitnehmen - für Paul Thomas Andersons Regie und für die großartige Musik von Radioheads Jonny Greenwood. Die schönste Überraschung ist allerdings, dass Sally Hawkins für ihre ansteckend fröhliche Performance in HAPPY-GO-LUCKY tatsächlich den erhofften Silbernen Bären für die beste Darstellerin bekommen hat. Ein Triumph des Lächelns.
Deutsche Filme sind, bis auf abseitigste, unabhängig vergebene Preise, leer ausgegangen. Die komplette Liste der Preisträger gibt es natürlich unter:
www.berlinale.de
15. Februar 2008 um 3:03 · Gespeichert unter Blogroll

Nun ist auch der zweite deutsche Beitrag ins Rennen geschickt worden: Luigi Falornis (ganz links) Spielfilmdebüt FEUERHERZ (nach seiner Co-Regie bei DIE GESCHICHTE VOM WEINENDEN KAMEL, der es bis zu einer Oscar-Nominierung geschafft hatte). Ob die ganze Aufregung um das Buch ”Feuerherz” von Senait Mehari berechtigt ist, müssen Anwälte klären - der Film hingegen verdient sie nicht. Auch wenn alles akkurat inszeniert und leidenschaftlich gespielt wurde, so etwas wie Mitgefühl kommt zu keiner Zeit auf, das Schicksal der Kindersoldaten bleibt stets distanziert. Was zum Teil auch daran liegt, dass die Protagonistin simple Weltverbesserungssentenzen von sich geben muss (okay, sie ist ein Kind), aber darüber einfach zu einseitig zur Heldin einer Geschichte stilisiert wird, die auf einer abstrakten Ebene zwar aufwühlt, aber nie wirklich berührt. Der lautstarke Protest vereinzelter Demonstranten vor dem und im Berlinale-Palast war dann auch für die Fernsehkameras interessanter als das versammelte Filmteam auf der Bühne…
www.feuerherz.de
14. Februar 2008 um 2:29 · Gespeichert unter Blogroll

Madonna-Day in Berlin: Die Stadt steht Kopf, weil der Megastar sein Regiedebüt FILTH AND WISDOM im Zoo-Palast vorstellt. Sie hält eine kurze Ansprache voller Understatement, dann folgt eine 81-minütige Fingerübung mit charmanten Momenten, abstrusen Einfällen und der Musik ihrer momentanen Lieblingsband Gogol Bordello. Über ihren Film wird in ein paar Tagen niemand mehr sprechen; dass Madonna die Berlinale beehrt hat, fügt sich allerdings ins Gesamtbild des kleinen Rock/Pop-Schwerpunkts des diesjährigen Festivals (Rolling Stones, Patti Smith, Neil Young…) wunderbar ein.
Neben dem lange nachwirkenden GEGENSCHUSS tummelt sich noch eine weitere Retro-Doku im Programm, die alle Aufmerksamkeit verdient. Michael Althen und Hans-Helmut Prinzler glückt mit AUGE IN AUGE - EINE DEUTSCHE FILMGESCHICHTE der Spagat, subjektive Filmerinnerungen mit dem wechselvollen Verlauf der deutschen Filmhistorie zu verknüpfen, ohne in die Kanonfalle zu tappen oder allzu abseitig zu wirken. Es sind hier allerdings schon die üblichen Verdächtigen, die ihre Kommentare abgeben dürfen, was das Ganze etwas Filmakademie-offiziell daherkommen lässt. Aber die klug gewählten Ausschnitte machen jeden Eichinger-Beitrag wett.
www.augeinauge.de